Chronik

Meine niedliche, unbedeutende, irrelevante Webseite hat schon eine kleine Geschichte durchlebt, die ich hier mal in Auszügen erzählen möchte.

Los ging es eigentlich, als ich im Dezember 1993 mit einem bei Vobis gekauften postzugelassenen Highscreen-2400-Baud-Modem zum ersten Mal online ging und mich in eine der Mailboxen einwählte, die auf knapp drei Seiten in der c’t aufgelistet waren. (BTW: Vobis gibt’s nicht mehr, Mailboxen leider auch nicht mehr, Postzulassungen zum Glück auch nicht mehr, die c’t gibt’s noch). Dass ein gewisser Tim Berners-Lee kurz vorher am CERN das World Wide Web erfunden hatte – das Internet gab es schon ein wenig länger – wusste ich da noch nicht. Mit meinem Modem trieb ich mich dann im MausNet herum, verteilte dort meine kleinen Atari-Programme in den öffentlichen Programmteilen der Mäuse und Quarks.

Mein ältestes, auffindbares Usenet-Posting (Screenshot Google Groups, Link im Text)

Mein ältestes, auffindbares Usenet-Posting (Screenshot Google Groups, Link im Text)

1995 ging meine erste Webseite ans Netz, die sich damals noch „hinter einer Tilde versteckte“, sprich im Homeverzeichnis meines Benutzers auf dem Server im Rechenzentrum an der Uni lag und über folgende wenig geschmeidige URL erreichbar war: http://pbhrzx.uni-paderborn.de:8080/~e80097/ (Google Groups ist mein Zeuge). Ich weiß zwar nicht mehr genau, was auf der HTML-Seite zu lesen war, aber ich weiß noch genau, dass ich sie mit dem vi auf einem Text-Terminal zusammengebastelt habe. Da dieses Terminal sowieso keine Grafiken darstellen konnte, enthielt meine Homepage kein damals so hochmodernes animiertes Baustellen-GIF. Ins Web ging ich sowieso nur im Poolraum der Uni. Und eigentlich war WWW doof und Gopher viel spannender. Konnte ich aber auch nichts mit anfangen, war alles irgendwie wie ein Textadventure, bei dem man ohne ein Lösungsbuch an einem Punkt nicht weiterkam.

Das änderte sich mit Mosaic und den ersten beiden X-Terminals im Rechenzentrum (monochrom, Hochkant-Monitor). Von denen gab’s aber im Poolraum der Uni nur zwei Stück, und die waren natürlich immer besetzt. Also musste man mal die eine oder andere Vorlesung schwänzen und warten, bis eines der Terminals frei wurde. Meine Erfahrungen mit dem Web waren von Anfang an sehr positiv, denn als bereits damaliger c’t-Abonnent nahm ich an einer Online-Verlosung der iX des Heise-Verlags teil und gewann prompt das (wahnsinnig gute, ernsthaft!) Buch „Expert-C-Programmierung„. Vermutlich gab es damals nur 42 Teilnehmer bei 23 Preisen und meine Chancen waren entsprechend hoch. 😉

Kurze Zeit später köderte mich AOL mit seinen hundertfach den Computermagazinen beigelegten 5/10/20/40-Stunden-kostenlos-testen-CDs. Als AOL-Benutzer konnte man damals weitere vier Alias-Namen anlegen, pro Namen gab’s zwei Megabyte (in Worten: zwei Megabyte) Webspace. Die 10 MB reichten so eben aus, dass ich meine damaligen kleinen Atari-Tools und -Spiele und die ganzen UDO-Binaries unterbringen konnte. Unter http://members.aol.com/DirkHage lagen die HTML-Dateien, die Archive für den Download musste ich passend auf die anderen Bereiche verteilen. Die Webseite fand sogar – wenn ich das jetzt nicht komplett durcheinander bringe – lobenswerte Erwähnung in einer Tomorrow-Sonderausgabe namens „Die 1000 besten Webseiten“ oder so ähnlich. Vielleicht habe ich die Ausgabe noch irgendwo in einem alten Umzuskarton liegen und könnte die mal als Beweis hier ablichten.

Im Dezember 1998 sicherte ich mir die Domäne dirk-hagedorn.de über Strato samt ein paar Gigabyte an Webspace. Wenn ich mir anschaue, wie viele Namensvetter sich heutzutage bei Facebook, XING und Co. herumtreiben, war das nicht zu früh. Webseiten baute man noch statisch zusammen und packte sie nach jeder Änderung (oder nach der Erzeugung durch UDO) per FTP auf den Webserver. 1999 sah das ganze so aus, wie man sich das noch beim Internet Archive anschauen kann.

Bis 2002 machte ich das genau so. Und weil ich danach kaum noch zum Programmieren kam und auch sonst wenig auf meiner Webseite mitzuteilen hatte, blieb die Webseite seit dieser Zeit unverändert. Interessanterweise habe ich die Seite damals zwar mit Tabellen layoutet (Tabellen sind heute größtenteils pfui bäh), aber sie wird auch heute noch, sprich 15 Jahre später, in allen verfügbaren Browsern korrekt angezeigt.

In den letzten Jahren habe ich mit einigen Content-Management-Systemen (CMS) herumspielen dürfen/müssen und mein Herz für WordPress entdeckt. Die kleine Dorfseite dorfgemeinschaft-seidfeld.de und mein Herumtreiber-Foto-Blog unterwegs.hgdrn.de betreibe ich seit einiger Zeit mit WordPress.

Ich treibe mich allerdings auch so oft virtuell herum und entdecke bei meinen Streifzügen durch das Web die eine oder andere großartige Seite. Nun kann man die bei Facebook teilen, den Link bei Twitter posten oder bei Google+ eins-plus-en (plus-eins-en?), aber irgendwie hatte ich in den letzten Tagen häufiger das Gefühl, dass ich die Fundstückchen gerne bei mir auf meinen Seiten für mich (und für alle die, die hier vorbeischauen) notiere. Und wenn ich mal ein Foto veröffentlichen möchte, dann möchte ich das auf meinem Server zu meinen Copyright-Bedingungen machen, und nicht bei irgendeiner Firma tun, die ihren Sitz irgendwo im Ausland hat, die ihre AGBs alle paar Wochen ändert und die beim Hochladen eines Bildes gleich alle Rechte an diesem Bild für sich beansprucht.

Wie sich dieses Blog entwickeln wird, ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall tut sich mal wieder etwas auf meiner Web-Präsenz, das ist doch schon einmal etwas.

P.S.: Was ich so an Software im letzten Jahrtausend zusammengebastelt habe, findet sich im Software-Museum wieder. Man gelangt über das Menü oben rechts dort hin und kann dort auch noch die alten Archive herunterladen.

P.P.S.: Ein Buch über die Android-Programmierung habe ich schon gekauft, und ein „Invers für Android“ könnte ich wohl in wenigen Stunden zum Download bereitstellen. Ich habe aber derzeit noch keine Lust, mich für diesen Android-Market Google Play Store anzumelden. Außerdem ist jetzt wieder gutes Wetter, und da nutze ich die kostbare Zeit lieber für’s Radfahren…

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