Linux auf Fujitsu TX150 S8 mit LSI Embedded MegaRAID

Als Ersatz für eine SCO-Unix-Installation auf Hardware von 1999 sollte ein neuer Server her. Ein Fujitsu Primergy TX150 S8 schien mir geeignet, diese Rolle zu übernehmen: ordentlich RAM rein, zwei Platten für ein RAID1, Ubuntu-Server 14.04 LTS drauf, sollte passen.

Ich nutze seit Jahren Debian-Linux, habe mich in den letzten Jahren an das Paketmanagement mit apt-get oder synaptic gewöhnt. Das auf Debian basierende Ubuntu war in den letzten Wochen mein Favorit wenn es darum ging, Netbooks, Laptops oder mit VirtualBox oder Citrix XenServer virtualisierte Systeme ruckzuck einzurichten. Die zertifizierten Systeme für den Fujitsu TX150 S8 sind Red Hat Enterprise Linux und SuSE Enterprise Linux, Ubuntu oder Debian sind nicht zertifiziert. Mit SuSE habe ich seit der 4.3 nichts mehr gemacht (oh Gott, das muss fast 20 Jahre her sein…), Red Hat habe ich noch nie verwendet. Was das genau bedeutete, dass Ubuntu nicht zertifiziert ist, wusste ich nicht. „Wird schon laufen“ ist nur halb aufgegangen.

Separate RAID-Controller-Hardware sollten für den TX150 S8 nicht nötig sein, dass RAID1 könne der Onboard-Controller übernehmen, so wurde vons uns gemeinsam vermutet. Das sollte sich ebenfalls leider nur zur Hälfte bewahrheiten. Einen Tag lang habe ich das halbe Web abgegrast, so recht nichts hilfreiches gefunden, dabei aber den Begriff des „Fake-RAID“ gelernt.

Das verbaute Mainboard des TX150 S8 kann entweder ohne RAID, mit einem „LSI Embedded MegaRAID“ betrieben werden oder aber die „Intel Rapid Storage Technology enterprise (Intel RSTe) for Linux OS“ verwenden. Für einen geschäftskritischen 24/7-Server fällt die ungespiegelte Variante natürlich aus. Das BIOS war bei Auslieferung auch so eingestellt, dass der LSI MegaRAID verwendet wurde.

RAID1 einrichten

Nach Einschalten des Servers meldet sich zunächst das BIOS des LSI MegaRAID. Hier einmal CTRL-M oder RETURN drücken, um in die BIOS-Einstellungen zu gelangen. Dann wähle man „Configure / Easy Configuration“, richte das RAID1-VirtualDrive ein, initialisiere es und boote neu.

Problem Nr. 1: LSI Embedded MegaRAID

Für den LSI MegaRAID sind proprietäre Treiber notwendig. Wer (wie ich) ein Ubuntu-Variante installieren möchte, kommt genau bis zu dem Punkt, an dem man zur Partitionierung des Laufwerks gelangt. Dort meckert der Ubuntu-Installer, dass kein Laufwerk gefunden wurde. Auch das Nachladen aller „megaraid“-Kernelmodule bringt keine Abhilfe.

Alle Ubuntu-Varianten scheiden damit aus, mit Debian7, VMWare ESXi oder Citrix XenServer 6 wurde es nicht besser. Auch alle vorhandenen linux-basierten Rettungssysteme wie GParted, CloneZilla oder SystemRescueCD konnten mit dem VirtualDrive des LSI MegaRAID nichts anfangen. Es gibt aber noch CentOS, dazu später mehr.

Problem Nr. 2: Intel RSTe

Entnervt habe ich im BIOS dann auf Intel RSTe umgestellt, dort ein RAID1 eingerichtet (selbsterklärend, Update siehe unten *) und mal wieder die Ubuntu-Server-Installation gestartet. Und – oh Wunder – Ubuntu erkennt das eingerichtete RAID1-Laufwerk („one or more drives containing MDADM containers (Intel/DDF RAID) have been found“) und installiert fleißig darauf los. Bis zu dem Moment, in dem GRUB-Bootloader installiert werden soll: „grub install /dev/md126p1“ ist fehlgeschlagen.

tx150-grub

Alle irgendwo im Web gefundenen Tipps der Art („nimm /dev/md126, dann geht’s“) funktionierten nicht. Die gefundenen Aussagen waren nicht sehr vertrauenserweckend: Ein Benutzer hatte beispielsweise den GRUB-Bootlader auf einen USB-Stick installiert und seinen Rechner dann entsprechend über den USB-Stick gebootet. Das ist nicht wirklich das, was ich mir für meinen Server vorgestellt habe…

(*) Update: Genau das war der Fehler. Man darf kein RAID1-Volume im Intel RSTe BIOS einrichten. Die Details habe ich hier beschrieben. Wer Ubuntu Server installieren möchte und irgendwie über eine Suchmaschine auf dieser Seite gelandet ist, bitte hier entlang.

Die Lösung: CentOS7 Minimal ISO und megasr

Da Red Hat Enterprise Linux zertifiziert ist, Red Hat sich aber mehr als widerborstig anstellt, die 30-Tage-Testversion herunterladen zu dürfen, habe ich es kurzerhand mit dem freien CentOS probiert. Die Idee: kommt aus dem selben Hause, vielleicht geht da etwas. Das „Minimal ISO“ von CentOS heruntergeladen (Liste der Spiegelserver), auf eine CD gebrannt, vorher natürlich ein frisches LSI-MegaRAID-VirtualDrive eingerichtet und initialisiert, von der CD gebootet, und: Wieder nichts.

Aber so geht’s: Auf der dem TX150 S8 mitgelieferten DVD 2 („ServerView Suite – Management and Serviceability“) liegt ein ISO-Image einer „Driver Update Disc“ (\SVSLinux\RHDUP\RHEL7\rhel7-ga\megasr\megasr-16.01.2014.0318-1-004.x86_64.iso), dies brenne man auf eine CD. Ins DVD-Laufwerk des Servers lege man die CentOS-Minimal-CD ein, in ein USB-CD-ROM-Laufwerk die Driver Update Disc. Während der CentOS-Installer startet, werden die Treiber auf der Driver Update Disc erkannt und geladen, damit der LSI MegaRAID erkannt, welcher dann als Ziellaufwerk für die spätere Installation zur Verfügung steht:

tx150-megasr

Na also, geht doch! 🙂

Hinweis: Die Treiber / Kernel-Module von der Driver Update Disc (DUD) werden scheinbar nur von dem „Minimal ISO“ vor dem Start des Installers geladen. Dem „livecd“ ISO-Image war die eingelegte DUD egal, daher wurde mit diesem ISO-Image auch der LSI MegaRAID wieder nicht erkannt und damit die Installation nicht möglich.

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