Zarafa auf Ubuntu 12.04 LTS

Eine kleines Screenshot-Tutorial bezüglich Installation von Zarafa auf Ubuntu Server 12.04 LTS. Die Installation erfolgte innerhalb VirtualBox4 unter Windows7, daher habe ich die 32-Bit-Version von Ubuntu verwendet.

In VirtualBox wird erst einmal eine neue Maschine erstellt (Linux, Ubuntu, 512 MB, 8 GB wachsend, Netzwerkbrücke), von Ubuntu das 32-Bit-Server-ISO-Image heruntergeladen und dieses in das virtuelle CD/DVD-Laufwerk „eingelegt“. Virtuelle Maschine nun starten, um vom ISO-Image zu booten.

Als Sprache wähle ich Deutsch, auch wenn der Installer meckert, dass die Übersetzung nicht ganz vollständig ist. Die Tastatur lasse ich nicht automatisch erkennen, sondern setze sie manuell auf Deutsch.

Die folgende automatische Netzwerkkonfiguration schlägt in meinem Falle fehl, da ich kein DHCP verwende. Ich setze die IP-Adresse manuell auf 192.168.0.124 (Eselsbrücke: „12.04“ -> „124“), die Netzmaske auf 255.255.255.0, das Gateway auf die IP-Adresse meines DSL-Routers (192.168.0.100) sowie die Adresse des DNS-Servers ebenfalls auf die IP-Adresse meines DSL-Routers. Der Installert macht dann ein paar Sekunden lang irgendwelche Dinge, also nicht wundern, wenn es nicht sofort weitergeht.

Nun geben wir den Namen des Servers ein, ich lasse es einfach mal beim Vorschlag „ubuntu“. Als Domain-Name wähle ich „hgdrn.xy“ (siehe RFC2606), damit es nicht zu Konflikten mit irgendwelchen existenten Domänen kommen kann.

Jetzt fehlt noch der (erste) Benutzer, mit dem wir dann auf der Ubuntu-Kiste herumspielen werden. Ganz spektakulär wähle ich als Vollname „Dirk Hagedorn“, als Konto „dirk“ und gebe dann noch zwei Mal ein schlaues Passwort ein. Die Verschlüsselung des Home-Verzeichnisses schenke ich mir.

Der Installer möchte nun die Uhr passend zur Angabe eines Timeservers einstellen, was ein wenig dauern kann (es ist nicht ganz ersichtlich, wo Ubuntu da die Anfrage stellt).

Es folgt die Einrichtung der Festplatte. Ich wähle hier „vollständige Festplatte“ (die Verwendung eines LVM brauche ich in der vbox nicht, physikalisch wäre das ggf. anders zu überlegen). Ich bestätige noch einmal, dass die (virtuelle) Platte platt gemacht und partitioniert werden darf, und dann legt der Installer noch das Dateisystem an (geht ratzfatz).

Nun beginnt die Installation des Grundsystems, wobei ein Haufen Dateien von der Boot-CD (ISO-Image) auf die Platte kopiert werden. Das dauert einen kleinen Moment, es lohnt aber (noch) nicht, einen neuen Kaffee aufzusetzen. Das mache ich nämlich erst, nachdem ich die bald auftauchende Frage nach dem HTTP-Proxy mit „keiner“ beantworte. Jetzt kann man einen Kaffee kochen gehen, während apt noch Pakete lädt und installiert…

Bei der Softwareauswahl wählen wir erst einmal nur OpenSSH (damit wir per PuTTY auf die Kiste kommen) und LAMP (Linux, Apache, MySQL, Perl/PHP) sowie Mail-Server. Für MySQL geben wir zwei Mal ein Passwort ein (man kann das auch leer lassen, aber dann fragt der Installer später noch ein halbes Dutzend Mal erneut nach einem Passwort).

Für die Postfix-Konfiguration wähle ich „Internet mit Smarthost“. Den System-E-Mail-Namen-Vorschlag von „ubuntu.hgdrn.xy“ ersetze ich durch „hgdrn.xy“. Ggf. müssen/können wir bei der späteren Konfiguration von Postfix mittels Bearbeitung von /etc/postfix/main.cf hier noch einmal etwas ändern. Den SMTP-Relay-Server leeren wir erst einmal, da kommt bei der späteren Konfiguration noch der SMTP-Server von 1&1 oder Strato rein. Nun können wir schauen, ob der Kaffee bereits fertig ist und uns in aller Ruhe eine Tasse holen, da der Installer wieder fleißig weiter kopiert und installiert.

Zum Abschluss der Installation kommt der Installer nun zum GRUB-Bootloader. Da auf unserer virtuellen Platte eh nur Ubuntu läuft, können wir GRUB natürlich problemlos im Master Boot Record installieren.

Damit ist die Installation abgeschlossen und wir müssen nur noch die CD (das ISO-Image) unter VirtualBox aus dem virtuellen CD-Laufwerk nehmen (Menü Geräte -> CD/DVD-Laufwerke -> Medium entfernen) und RETURN drücken, um das frisch installierte Ubuntu zu booten und zum ersten Mal einzuloggen. Tipp: Dies ist übrigens ein guter Moment, in VirtualBox einen Sicherungspunkt zu erstellen.

Jetzt frische ich erst einmal die Paketdatenbank auf und installiere ein paar Pakete, die ich immer so benötige:

sudo apt-get update
sudo apt-get install mc
sudo apt-get install emacs23
sudo apt-get install phpmyadmin
sudo apt-get install fetchmail
sudo apt-get install fetchmailconf

Postfix und Fetchmail könnte ich nun schon einmal so konfigurieren wie hier und hier beschrieben. Für fetchmailconf benötigen wir auf Windows-Seite jedoch einen X-Server. Ich empfehle dafür Xming.

Weiter geht’s mit dem Herunterladen des Zarafa-Installations-Paketes. Da es nicht im Ubuntu-Repository steckt, müssen wir das ausnahmsweise mal manuell machen, was aber auch nicht weiter wild ist. Ich gehe also auf die Webseite von Zarafa und wurschtele mich zu der passenden Downloadseite des Last Final Release durch, kopiere mir den Link in eine PuTTY-Shell und lade das Archiv (der Free-Version, Details zu den Lizenzmodellen siehe Zarafa-Homepage) per wget herunter.

wget http://download.zarafa.com/community/final/7.0/7.0.7-34256/zcp-7.0.7-34256-ubuntu-12.04-i386-free.tar.gz

Danach das Archiv entpacken, ins Verzeichnis wechseln und das Installationsskript ausführen:

tar xvfz zcp-7.0.7-34256-ubuntu-12.04-i386-free.tar.gz
cd zcp-7.0.7-34256-ubuntu-12.04-i386/
sudo ./install.sh

Das Installationsskript installiert nun per apt-get all die benötigten Ubuntu-Pakete, die noch fehlen sollte. Hin und wieder fragt das Script nach, die meisten Fragen kann man alle mit einem locker flockigen Druck auf RETURN mit dem Default beantworten.

In dieser Konstellation wurden erst einmal knappe 22 MB heruntergeladen und installiert, wieder einmal Zeit für eine frische Tasse Kaffee…

Nun fragt das Installationsskript die Zarafa-Seriennummer ab, die ich nicht habe und daher einfach RETURN eingebe (Dadurch können sich auf dem Zarafa-Server später nur drei Benutzer die Outlook-Schnittstelle verwenden, wenn ich das richtig verstanden habe.)

Die Einstellungen für MySQL übernehmen wir (localhost, 3306, root) und geben einmal das Passwort des MySQL-root-Users an (erscheint im Klartext, habe ich Screenshot übermalt). Alle weiteren Fragen beantworte ich mit Y(es):

Nach einem weiteren Druck auf RETURN gibt es noch einmal eine Konfigurations-Zusammenfassung sowie einige weitere Informationen. Die Ausgabe „fail“ beim Stoppen des Zarafa-Servers kann ich getrost ignorieren, denn der Zarafa-Server lief ja noch nicht, also konnte „/etc/init.d/zarafa-server stop“ ja auch keinen Server stoppen und liefert daher die Fehlermeldung.

Die restlichen Zarafa-Bestandteile werden nun auch noch alle gestartet. Nun steht Zarafa bereits zur Verfügung. Auch wenn es noch nicht verwendet werden kann, da noch keine Benutzer angelegt wurden, kann ich mir den ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes vom Notar der Installation von Firefox bestätigen lassen:

Was jetzt noch fehlt, das sind die Zarafa-Benutzer. Erste Hinweise darüber, wie ein Zarafa-Benutzer angelegt wird, liefert das Kommando „zarafa-admin –help“. Ich lege erst einmal einen Benutzer mit Admin-Rechten an („-a 1“, nenne diesen schlauerweise „admin“, gebe ihm als Komplettnamen „Chef vons Ganze“, das wirklich gelungene Kennwort „geheim“ und als E-Mail-Adresse „zarafa.admin@hgdrn.xy“:

sudo zarafa-admin -c „admin“ -p „geheim“ \
-f „Chef vons Ganze“ -e „zarafa.admin@hgdrn.xy“ -a 1

Und weil wir gerade in der Shell sind und mit Cursor-Hoch und Überschreiben schnell ein weiteren Benutzer anlegen können, mache ich das und lege einen normalen Benutzer (sprich keine Admin-Rechte) an. Anstelle „-p passwort“ übergebe ich als Option ein „-P“ (großes P), so dass ich das Passwort am Prompt eingeben kann:

sudo zarafa-admin -c „dirk“ -P -f „Dirk Hagedorn“ -e „dirk.hagedorn@hgdrn.xy“

Als „dirk“ (und als „admin“ natürlich auch) kann ich mich nun auch im Webaccess anmelden:

Stand bisher: Ubuntu/Linux läuft, Apache läuft, MySQL läuft, OpenSSH läuft, Postfix und Fetchmail laufen, Zarafa läuft. War doch gar nicht so schwer, oder?

An dieser Stelle ist es wieder ganz hilfreich, einen Sicherungspunkt in VirtualBox zu erstellen oder sogar den bisherigen Stand der virtuellen Maschine als Appliance zu exportieren (ca. 640 MB, passt auch auf eine CD), falls man sich in eventuell späteren Konfigurationsorgien mal verzetteln sollte.

Ich werde nun auf dieser Basis ein wenig herumspielen und meine Erkenntnisse entweder hier oder in einem neuen Tutorial notieren…

Update: Ein neues/weiteres Tutorial gibt es hier: Zarafa auf Ubuntu 14.04.1 LTS

  1. 14. Oktober 2012, 00:39 | #1

    Herzlichen Dank Dirk für dieses super tolle HowTo.

    Habe dieser Tage noch eine Synology Diskstation erworben, wohl weisslich, dass dort ebenfalls ein Zarafa installiert werden kann (als Backup).

    Ich bin sehr gespannt auf die ActiveSync-Unterstützung. Leider komme ich kaum zum Dokumentieren, auf einen Artikel in meinem Wiki wird man daher noch etwas warten müssen.

    Grüße aus Ludwigshafen
    Axel

  2. guenter
    30. März 2013, 19:32 | #2

    Hallo Dirk,
    Ich habe dein Tut. für die Zarafa Installation genommen, hat wunderbar funktioniert! Ich habe jetzt Z-Admin nachinstalliert, bekomme aber beim Quick-Setup immer den Fehler, dass das Admin-Passwort leer ist oder nicht übereinstimmt! Ich kann dazu im Netz nichts finden, hast du damit Erfahrung!
    Danke
    Liebe Grüße
    Günter

  3. dh
    30. März 2013, 20:47 | #3

    Hallo guenter,

    leider nein. Ich bin leider noch nicht weiter mit Zarafa gekommen, da mir einfach die Zeit fehlte. Auf Shellebene schon einmal das Passwort zu ändern versucht? Als letztes Mittel wäre es vielleicht dann noch möglich, den Benutzer zu löschen (Daten vorher sichern!) und wieder neu anzulegen.

  4. alex
    4. Mai 2013, 16:22 | #4

    Hallo Dirk, dein Tutorial hat mich sehr beeindruckt, habe auch gleich damit angefangen dein Tut abzuarbeiten um endlich von dem Hardware-fressenden Exchange wegzukommen, doch leider muss ich als absoluter Linux-Voll-Versager feststellen, das ich eMail senden, aber in keinster weise empfangen kann…

    Ich habe fetchmail soweit ich kann konfiguriert, die eMails werden auch „gelesen“ – aber ob sie auch abgeholt werden weiß ich nicht, in Zarafa werden sie auf jeden Fall nicht übergeben.

    Auch habe ich nach einem Neustart des Ubuntuservers das Problem, dass ich Zarafa meisst manuell starten muss um in das Webaccess zu kommen bzw. mich dort anmelden zu können.

    evtl. hast du ja mal ein paar Tips für mich, denn ich habe dein Tut schon drei mal abgearbeitet aber kein Erfolg verbuchen können….

    Vielen Dank Alex

    System:
    Ubuntu 12.04 LTS Server
    Zarafa 7.0.13-41388

  5. alex
    4. Mai 2013, 16:32 | #5

    Sorry, falsche Zarafa-Version!!

    7.1.4-41394 ist die richtige Version

  6. dh
    15. Mai 2013, 12:22 | #6

    Moin Alex,

    alex :

    evtl. hast du ja mal ein paar Tips für mich, denn ich habe dein Tut schon drei mal abgearbeitet aber kein Erfolg verbuchen können….

    Da bin ich jetzt leider ein wenig überfragt. Meine obige Zarafa-Installation ist jetzt fast ein Jahr alt, habe aber da (immer noch) aus Zeitmangel und aufgrund fehlenden Drucks (habe hier noch ein laufendes anderes System, dass ich eigentlich ersetzen wollte) noch gar nicht weiter gemacht.

    Dennoch der Versuch einer Hilfestellung: Bei meiner Fetchmail-Konfiguration wurden die E-Mails erst einmal lokalen Benutzern zugewiesen (siehe Fetchmail-Tutorial) und diese dann wiederum an Zarafa übergeben bzw. von Zarafa dort abgeholt. Ein Benutzer hat demnach neben dem (1.) POP3/IMAP-Postfach einen (2.) Linux-Account und (3.) einen Zarafa-Account. Vielleicht hakt es da bei Dir schon irgendwie.

    Zum automatischen Starten der Zarafa-Prozesse beim Bootvorgang müsste man die Init-Scripte in /etc/rc2.d aktivieren/erstellen. Ich bin jetzt gerade überfragt, ob bei meiner Installation die überhaupt vorhanden waren oder nicht.

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