{"id":1517,"date":"2016-02-20T19:47:49","date_gmt":"2016-02-20T18:47:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dirk-hagedorn.de\/?p=1517"},"modified":"2017-02-12T08:30:50","modified_gmt":"2017-02-12T07:30:50","slug":"nach-20-jahren-endlich-linux-auf-dem-desktop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dirk-hagedorn.de\/?p=1517","title":{"rendered":"Nach 20 Jahren endlich Linux auf dem Desktop"},"content":{"rendered":"<p>Seit etwa drei Monaten arbeite ich auf meinem privaten Notebook mit Linux; ein Computerleben ohne Microsoft und Apple ist m\u00f6glich. Alle paar Jahre gab ich Linux eine Chance, auch meinen Desktop erobern zu d\u00fcrfen, genutzt hat es diese Chance schlie\u00dflich Ende letzten Jahres.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Meine ersten Gehversuche mit Linux unternahm ich Mitte der Neunziger. Mit zwei Zehnerpacks Disketten sa\u00df ich an irgendeinem Rechner in irgendeinem mit DOS-Rechnern ausgestatteten Computerraum in der Uni, auf der ich mir die Slackware-Disketten-Images vom FTP-Server der Uni zog und auf die Disketten kopierte, um dann Stunden sp\u00e4ter entnervt festzustellen, dass ich doch noch zu gr\u00fcn hinter den Ohren f\u00fcr diese Art der Installation des freien Betriebssystems war. Daraufhin habe ich mir <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/OpenSUSE#Geschichte_der_Distribution\" target=\"_blank\">SuSE Linux 4.3<\/a> gekauft und damit herumgespielt. SuSE 4.3 wurde im September 1996 ver\u00f6ffentlicht, das ist nun fast 20 Jahre her.<\/p>\n<p>Seit dieser Zeit hat mich Linux stets als Server begleitet. Irgendwo stand immer ein ausgedienter Rechner herum, der noch sein Gnadenbrot als Linux-Server verdienen durfte, sowohl privat als auch am Arbeitsplatz. Aus heutiger Sicht unvorstellbar: Das SuSE 4.3 durfte sich auch 1997 noch meinen Zweit-PC mit Windows 3.11 innerhalb einer Dual-Boot-Installaton auf einem 486er mit einer 4-GB-Platte teilen (wenn ich mich da recht erinnere). Linux und Windows bekamen je 2 GB Platz. Und die 2 GB unter Linux reichten tats\u00e4chlich noch so gerade daf\u00fcr aus, eine Audio-CD zu rippen und \u00fcber Nacht mit irgendeinem semilegalen Vorl\u00e4ufe von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/LAME\" target=\"_blank\">LAME<\/a> in MP3 zu encoden. Die 700 MB Audiodaten im WAV-Format mussten immer erst zwischengespeichert werden, bevor der MP3-Encoder dr\u00fcberlief, ein freies Gigabyte reichte da immer so gerade aus. Wenn der kleine Server nachts mal keine MP3-Dateien erzeugte, dann baute er vermutlich gerade einen neuen Kernel. make menuconfig, make dep clean zImage zLilo, make modules, make modules_install. Irgendetwas dieser Art sorgte auf der kleinen 486er-Gurke mit viel zu wenig RAM, viel zu wenig Plattenplatz und viel zu wenigen Megahertz daf\u00fcr, dass stundenlang mysteri\u00f6se Compilerausgaben \u00fcber den 14&#8243;-Monitor huschten und irgendwann dann am n\u00e4chsten Morgen ein neuer Kernel fertig war.<\/p>\n<p>Linux auf dem Desktop war zu diesem Zeitpunkt unbenutzbar, jedenfalls aus Sicht eines von GEM verw\u00f6hnten Atari-Benutzers. Das User Interface war mehr als ungewohnt, und die zur Verf\u00fcgung stehenden Applikationen waren grottig. Und sollte doch mal etwas laufen, bekam es nicht ausgedruckt, weil Linux noch nicht so weit war oder ich wieder einmal beim Kernel-Bauen ein Modul vergessen hatte. X11 fra\u00df eh zu viel Platz und war schnarchlangsam. Aber als Samba-Server war Linux klasse, und das Herumspielen mit Shell-Scripts oder das Bauen kleiner C-Programme machte Spa\u00df.<\/p>\n<p>1998 kam KDE 1.0 und Linux eine neue Chance auf dem Desktop, nutzte sie aber nicht, da es zu instabil lief. Ob es an meiner veralteten Hardware, an meiner Ungeduld oder einfach daran lag, dass KDE noch ganz am Anfang stand, ich wei\u00df es nicht mehr. Linux durfte weiter Samba-Server spielen, vielleicht noch Experimentierfeld mit Apache, mehr aber auch nicht.<\/p>\n<p>Ein wenig \u00e4nderte sich dies, als ich beruflich sehr viel mit Solaris zu tun hatte und dort mit Emacs meine C-Programme und Shell- und Perl-Scripts entwickelte, Zehntausende von kleinen Dateien tagt\u00e4glich \u00fcber ein halbes Dutzend Server bewegen und verwalten musste. Mein kleiner Linux-Server unter dem Schreibtisch bot mir via XDMCP und WindowMaker als Window-Manager die M\u00f6glichkeit, mir per Mausklick und Kaskaden von ssh-Aufrufen die ben\u00f6tigen Terminals auf den Windows-2000-Rechner zu holen. &#8222;Linux auf dem Desktop&#8220; war dies aber nicht, eher eine pfiffige xterm-Verwaltungsoberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Debian entdeckte ich erst recht sp\u00e4t. 2005 packte ich Debian Sarge auf einen Linux-Server am neuen Arbeitsplatz, was quasi zehn Jahre durchlief. X11 lief auch dort eher nur deswegen, weil ich es aus Versehen mit installiert hatte. Was ich dort aber sah, gefiel mir. Das System lief quasi &#8222;out of the box&#8220;, manuelles Bauen von Kerneln war Geschichte, die vorhandene Hardware wurde direkt unterst\u00fctzt, und durch die Trennung in Stable und Testing &#8211; ich nutzte nat\u00fcrlich stable &#8211; lief das alles erschreckend stabil.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ubuntu.com\/\" target=\"_blank\">Ubuntu<\/a> kreuze erstmals mit Hardy Heron (8.04 LTS) sprich 2008 meinen Weg, allerdings eher aus Neugierde, was denn dieses Ubuntu so sei. Um den damaligen kostenlosen VmWare Server zu testen, spielt ich dort mit Ubuntu herum. Und was ich sah, gefiel mir. Was genau fehlte, kann ich nicht mehr sagen, aber irgendwas fehlte eigentlich immer. Aber Ubuntu behielt ich im Auge.<\/p>\n<p>Ein f\u00fcr Backup-Zwecke angeschafftes Samsung Netbook mit Windows 7 Starter war sp\u00e4testens mit Installation eines Virenscanners so z\u00e4h und unbenutzbar geworden, dass es keinen Spa\u00df machte. Auf der Suche nach einem aktuellen Ubuntu f\u00fcr Netbooks entdeckte ich den Ableger <a href=\"http:\/\/lubuntu.net\/\" target=\"_blank\">Lubuntu<\/a>, installierte es auf dem Netbook und war verbl\u00fcfft, wie es fluppte. Auch \u00fcberrascht war ich, dass alles funktionierte, selbst die FN-Tastenkombinationen f\u00fcr Lautst\u00e4rke und Display-Beleuchtung oder die Aktivierung des Bereitschafts-Zustand beim Zuklappen des Deckels. Eine Menge musste zwischenzeitlich passiert sein.<\/p>\n<p>Bei eBay-Kleinanzeigen &#8222;schoss&#8220; ich mir ein gebrauchtes, g\u00fcnstiges Lenovo Thinkpad und g\u00f6nnte ihm eine <a href=\"http:\/\/xubuntu.org\/\" target=\"_blank\">Xubuntu<\/a>-Installation. Auch hier funktioniert einfach alles problemlos. Mit Firefox, Thunderbird, Google Chrome, Libre Office oder GIMP laufen Anwendungen, wie ich sie unter Windows auch benutze. Es gibt eigentlich nur ganz wenige Anwendungen, die ich wirklich vermisse. Dies sind der <a href=\"http:\/\/www.ghisler.com\/deutsch.htm\" target=\"_blank\">Total Commander<\/a> (mc und Gnome Commander sind kaum ein Ersatz) und <a href=\"http:\/\/research.microsoft.com\/en-us\/um\/redmond\/projects\/ice\/\" target=\"_blank\">Microsoft ICE<\/a> zum Stitchen von Panoramafotos (KiPi und Hugen sind ein brauchbarer Ersatz). Die Frage, wie oft ich seit Umstieg auf Linux doch noch meinen (noch vorhandenen) Windows-Rechner verwenden musste, kann ich mit &#8222;nie!&#8220; beantworten.<\/p>\n<p>Nach knapp 20 Jahren hat es Linux bei mir also auf den Desktop geschafft, ich vermisse so gut wie \u00fcberhaupt nichts, habe viele Dinge gewonnen wie ein vern\u00fcnftiges Dateisystem, Benutzerrechte, die Bash, Remote-Bedienung per XDMCP, und jederzeit das gute Gef\u00fchl, nicht mehr die Hauptangriffsfl\u00e4che f\u00fcr die Viren, W\u00fcrmer und Trojaner dort drau\u00dfen zu verwenden: ein verwundbares Windows-System.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit etwa drei Monaten arbeite ich auf meinem privaten Notebook mit Linux; ein Computerleben ohne Microsoft und Apple ist m\u00f6glich. 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